A German man in West London

Dies ist ein Gastartikel von Richard. Er ist ein Autor des Blogs Flankengeber und berichtet regelmäßig über Spiele und Neuigkeiten aus der Welt des Fußballs. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf der 1. und 2. Bundesliga. Neben Spielberichten und Live-Tickern kommentiert Flankengeber das Fußballgeschehen auch kritisch und subjektiv. Mehr dazu auf www.flankengeber.de

Zugegeben, seit vergangenen Donnerstag trifft die Überschrift nicht mehr ganz zu, aber es wäre doch schade drum gewesen. Am vergangenen Donnerstag nämlich wechselte Moritz Volz auf Leihbasis vom FC Fulham zu Ipswich Town in die zweite englische Liga. Dass das außerhalb der Insel wohl nur wenige mitbekommen haben, spricht leider nicht gerade für die Bekanntheit des 25-jährigen Deutschen in seinem Heimatland. Dabei hatte seine Karriere so verheißungsvoll begonnen.

Geboren wurde der Rechtsverteidiger am 21.1.1983 in Siegen, spielte als Kind für einen lokalen Dorfverein, wechselte als 15-Jähriger zunächst zu Schalke 04 und ein Jahr später zu Arsenal London. Da ihm der Sprung in die erste Mannschaft nie gelang, wurde er innerhalb Londons durchgereicht“ und erst nach Wimbledon und 2003 dann nach Fulham ausgeliehen. Die Cottagers zogen ein Jahr darauf schließlich die Kaufoption, nachdem Volz in der Saison 2003/04 in 17 Spielen überzeugen konnte.

 

Das Jahr 2004 bescherte ihm neben seinem Vertrag bei den Londonern auch noch den Höhepunkt seiner Popularität in Deutschland: Bundestrainer Jürgen Klinsmann nominierte ihn für das Länderspiel gegen Kamerun am 17. November. Er kam dabei jedoch nicht nur nicht zum Einsatz, sondern wurde danach auch nie wieder in die Nationalmannschaft berufen. Unter den Fulham-Fans wurde er indes immer beliebter. Legendär ist zum Beispiel, dass er zu den Heimspielen seines Clubs stets mit dem Klapprad zum Stadion fuhr. Zwar war seine Torquote phasenweise sogar negativ (mehr Eigentore als eigene Tore…), doch der letzte seiner drei Treffer, den er am 30.12.2006 gegen den FC Chelsea erzielte, war dann tatsächlich das 15.000. Tor in der Geschichte der Premier League, was ihm den famosen Spitznamen 15.000 Volz einbrachte, in Anspielung auf die englische Aussprache seines Nachnamens und die Einheit der elektrischen Spannung.

Bei seinen und den Fans des FC Fulham war er jedoch immer als Volzy bekannter – und so heißt auch seine überaus witzige Website passenderweise volzy.com. Dort gibt es neben einem persönlichen Tagebuch und humorvollen Geschichten auch ein sehr lustiges deutsch-englisches Phrasenwörterbuch, in dem man unter Anderem erfährt, wie man sich in England nach einem Friseur erkundigen kann, der einem die Vokuhila-Frisur blondiert, oder wie man auf englisch fragt, ob man Sandalen auch ohne Tennissocken tragen kann. Mit Klischees über die Deutschen setzt er sich, neben vielen anderen Themen, auch in seiner Kolumne in der Times auseinander. Außerdem hat Moritz Volz seinen eigenen Channel bei YouTube.

Sportlich lief es in letzter Zeit nicht allzu prickelnd. So verlor Volz in der vergangenen Saison seinen Stammplatz in der Abwehr des FC Fulham und machte insgesamt nur neun Spiele. Nach langem Hin und Her wurde er nun schließlich nach Ipswich ausgeliehen, obwohl angeblich neben Premier-League-Club FC Sunderland auch Vereine aus Frankreich und Deutschland Interesse hatten. Ob er allerdings sein Ziel, die EM 2012 als Spieler zu erleben, erreichen kann, ist wohl eher fraglich.

Es ist auf jeden Fall sehr schade, dass Moritz Volz in Deutschland praktisch nicht wahrgenommen wird. Er ist nicht nur ein talentierter, sondern auch ein sehr humorvoller Fußballer, der unter den Fulham-Fans mittlerweile Kultstatus erreicht hat. Und vielleicht sehen wir ihn ja eines Tages nicht nur in der Premier-League, sondern auch in der Nationalmannschaft wieder…

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