Legendäre Spiele: 25. Juni 2006 Holland – Portugal

Wer kann sich noch an das “Massaker von Nürnberg” erinnern? 16 gelbe Karten und 4 Platzverweise wurden an diesem Abend im Achtelfinale der FIFA-Weltmeisterschaft 2006 zwischen Holland und Portugal ausgesprochen. Der russische Schiedsrichter Walentin Iwanow, der das Spiel zu keiner Zeit unter Kontrolle hatte, war dabei Ringrichter des Geschehens und machte den lauwarmen Sommerabend zu einem denkwürdigen. 41.000 Zuschauer im Frankenstadion sahen dabei wie ab der 23. Minute das Unheil durch die gelbe Karte von Maniche seinen Lauf nahm. Ach ja, Fussball gabs auch noch: Portugal gewann 1:0.

Gelbe Karten: Maniche (20.), Costinha (31.), Petit (50.), Figo (60.), Deco (73.), Ricardo (76.), Nuno Valente (76.) – van Bommel (2.), Boulahrouz (7.), van Bronckhorst (59.), Sneijder (73.), van der Vaart (74.)

Platzverweise: Costinha (45.+1′, Handspiel), Deco (78., unsportliches Verhalten) – Boulahrouz (63., wiederholtes Foulspiel), van Bronckhorst (90.+5′, wiederholtes Foulspiel)

 

Legenden: Maurizio Gaudino und die Autos

Maurizio Gaudino, der ehemalige Fussballstar und heutige Sportdirektor vom SV Waldhof Mannheim, hat ein bewegtes Leben hinter sich. Nicht weniger als 11 Vereinswechsel und 9 verschiedene Vereine hat der gebürtige Italiener in seiner aktiven Fussballzeit verschlissen. Dabei gab es für Maurizio immer wieder Höhen und Tiefen. Den größten Tiefschlag musste Gaudino am 14. Dezember 1994 – damals spielte er bei der Eintracht aus Frankfurt – nach der Gottschalk Late-Night-Show hinnehmen, als er direkt nach Sendungsschluss wegen des Verdachts des Versicherungsbetruges verhaftet wurde.

Die Scheinwerfer fingen grade an sich abzukühlen, da saß Maurizio Gaudino auch schon im Streifenwagen und wurde wegen versuchten Versicherungsbetruges im Zusammenhang mit Autoschiebereien verhaftet. Dabei sollen Luxusautos zu Unrecht als gestohlen gemeldet und die Versicherungssummen in Höhe von fast 200.000 Mark abkassiert worden sein. Der lapidare damalige Kommentar von Talkmaster Thomas Gottschalk zur Festnahme des Fussballstars:

Der übliche Weg ist es ja, erst verhaftet zu werden und dann in eine Talk-Show zu gehen. Daß das jetzt andersherum abläuft, ist mir auch neu.

Unverständnis machte sich bei Freuden und Bekannten von Maurizio Gaudino breit. Der damalige deutsche Nationalspieler könne doch so etwas nicht getan haben. Sein damaliger Berater Wolfgang Fahrian konnte die ganze Sache auch noch nicht recht glauben und bestätigte:

Ich kenne Maurizio schon lange, Autoschiebereien traue ich ihm nicht zu.

Schon 1991 wurde Maurizio Gaudino wegen Zechprellerei zu einer Geldstrafe verurteilt und machte damit seiner neapolitanischen Herkunft alle Ehre. Die Staatsanwaltschaft forderte im Übrigen bei der anschließenden Gerichtsverhandlung – Gaudino hatte sich mittlerweile nach Mexiko abgesetzt – eine Freiheitsstrafe von 2 Jahren und 4 Monaten – Gaudino kam mit einem Bußgeld von 180.000 Mark davon und äußerte sich äußert zufrieden über den Ausgang der Verhandlung:

Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen, als ich gehört habe, daß ich mit einer Bewährungsstrafe davonkomme.

In eine ganze Reihe von straffälligen Fussballspielern reihte sich Maurizio Gaudino damit ein: 1983 war Johnny Hey (u. a. Duisburg und Bielefeld) wegen schweren Diebstahls im Zusammenhang mit Autoschieberei zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren auf Bewährung verurteilt worden. Rees Bregman, ehemaliger fussballspielender Holländer des MSV Duisburg, wurde wegen Kokain-Handels zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Der ehemalige Nationalspieler Erwin Kostedde (1974-1975) wurde nach seinem Karriereende 1990 verdächtigt eine Spielhalle überfallen zu haben – die Anklage wurde jedoch fallengelassen und Kostedde freigesprochen.

P.S.: Im Nachhinein beschrieb Maurizio Gaudino seine Verhaftung 1994 folgendermaßen:

Ein Witz, es bestand ja nie Fluchtgefahr. Meine Frau war hochschwanger und ich war bei Eintracht Frankfurt angestellt. Wohin sollte ich flüchten? Die holten mich mit acht Beamten aus der Late Night Show ab, in der ich noch mit Kati Witt auf Inlinern Tango getanzt habe.

Die typische Pokal-Auslosung

Was ist im DFB-Pokal eigentlich Losglück? Ist es Glück, wenn man als kleiner Verein einen Bundesligisten zugelost bekommt? Ein Heimspiel gegen eine ebenbürtige Mannschaft zu bekommen? Oder ist es eher Glück, sich als Bundesligist durch einfache Lose bis in spätere Runden zu schummeln. Im Falle von Bayern München und Wuppertal ist es wohl Ersteres und Letzteres. Und irgendwie ist diese Auslosung schon wieder total typisch. Wenn nur noch zwei Regionalligisten im Wettbewerb sind, wer bekommt dann einen davon als Gegner? Na klar: Bayern München. Und das sind die Spiele auf die ganz Deutschland wartet. Welcher Fußballzwerg kann die großen Bayern diesmal ärgern? Welcher – bisher noch unbekannte – Torwart wird nun zum neuen Helden?

 

Duelle zwischen zwei Bundesligisten, wie Dortmund gegen Bremen, oder Wolfsburg gegen Schalke werden dann keinen mehr interessieren. Natürlich nicht wirklich. Ich hoffe doch stark, dass im deutschen Fernsehen nicht zu sehen ist, wie Wuppertal die Bayern empfängt, sondern vielmehr eines der eben genannten Duelle. Übrigens hat auch der amtierende Meister mit Werder II einen vermeintlichen Aufbaugegner bekommen. Obwohl, die Bremer Amateure haben doch schon St. Pauli und davor Köln rausgeschmissen.

Wen erwischt es im Achtelfinale? Vielleicht schafft Essen gegen den HSV einen Sieg? Oder doch eher Hoffenheim gegen Rostock? Wir dürfen gespannt auf den Januar warten.

Doktor Fussball goes to Camp Nou!

Wir haben lange überlegt womit wir dem Fussballblog-Leser noch eine Schippe mehr bieten können als andere Fussballblogs. Na klar! Wir fahren nach Barcelona und berichten exklusiv vom Spiel FC Barcelona gegen Betis Sevilla am Sonntag um 19:00 Uhr aus dem legendärem Camp Nou-Stadion. Wer hat sich nicht schon mal gefragt: Wie sehen eigentlich die Klos im Camp Nou aus? Oder die Parkplätze? Die Gänge? Doktor Fussball zeigts euch! Seid gespannt auf exklusive Bilder des UEFA 5-Sterne Stadions mit Platz für 98.787(!) heißblütige Spanier im größten Stadion Europas.

Hier ein paar Daten und Fakten zum Camp Nou:

Einweihung: 24. September 1957 FC Barcelona – Legia Warschau (4:2)
Fassungsvermögen: 98.787 Plätze
Fassungsvermögen nach dem geplanten Umbau: 115.000 Plätze
Rang der größten Stadien Europas: 1
Rang der größten Stadien weltweit: 7
Rang der größten Stadien weltweit nach dem Umbau: 3
Anzahl katholischer Kapellen im Stadion: 1
Anzahl zahlender Mitglieder: 156.000 (mehr als das Fassungsvermögen!)
Anzahl freigelassener Tauben bei der Eröffnungsfeier: 10.000
Anzahl tanzender Fans bei der Eröffnungsfeier: 1.800

Rassismus ist a Vollschmarn!

An dieser Stelle auch mal eine wichtige Botschaft an die Lesergemeinde des Doktor Fussball. Rassismus hat in deutschen Stadien, Sportvereinen und sowieso nirgendwo etwas verloren. Gut finde ich deshalb auch, dass sich der Bayerische Fussball-Verband mit einem kleinen Video für diese Sache einsetzt. Bitte mehr von diesen Videos, da müssen der Möchtegern-Nazi und der Afro-Amerikaner gleichermaßen drüber lachen! In diesem Sinne, alle musse zammehalt!

 

Die geilste zweite Liga aller Zeiten

Sich die zweite Liga anzugucken ist schon geil. Da wird gefightet, gerannt und fehlende Technik durch großen Einsatz versucht wettzumachen. Und solche Spiele wie am heutigen Montagabend Gladbach gegen Köln – die könnte man sich auch gut und gerne in der ersten Liga vorstellen. Nachdem die erste Halbzeit ja noch einige Wünsche übrig ließ, war die zweite Hälfte des Spiels dafür umso spannender und besser.

 

Vier Tore und herzerfrischender über weite Strecken gebotener “Kick and Rush”-Fussball ließen das Bild vom englischen Tempofussball aufkommen. Ich würd’s jetzt mal als Premier League Fussball mit vielen Stockfehlern und missglückten Flanken bezeichnen. Egal, ich kann nur sagen weitermachen – liebe Zweitligaklubs! So macht uns Fussballfans das Spaß.

Revolutionäre Neuerungen: die Relegation

Ab der Saison 2008/2009 können ausgewählte Spieler, Trainer und Vereine die guten Leistungen aus 34 Spieltagen in nur 2 Spielen zu Nichte machen. Die Arbeit einer ganzen Saison kann man sich jetzt in nur zwei Partien kaputt machen. Andersherum kann man natürlich auch die schlechten Spiele einer Spielzeit eben in der Relegation wieder vergessen machen. Es scheint als wäre bei der DFL alles gut, was irgendwelche Veränderung bedeutet, auch wenn es schon einmal da war.

Warum versucht mal nicht mal was wirklich Neues? Warum lässt man nicht mal den 15. aus der ersten und den 4. aus der zweiten Bundesliga in einer Relegation spielen? Wenn einem nichts mehr einfällt macht man halt was alt bekanntes.

Spielmodus und Regelwerk sind im Fußball ohnehin schon viel zu lange ohne wesentliche Veränderung. Das einzige was sich noch irgendwie verändert sind die Bestimmungen über persönliche Spielstrafen.

Die 10 schönsten Spitznamen

Es gibt ja viele schöne Spitznamen. Da wird dann gerne mal aus einen Matthias ein “Matte” gemacht und plötzlich kennt ihn jeder nur noch unter diesem Namen. Auch im Profifussball werden gerne Spitznamen vergeben. Das Aussehen oder die Art und Weise, wie ein Fussballer spielt, sind hier meistens ausschlaggebend. Die, unserer Meinung nach, 10 schönsten Spitznamen im Profifussball haben wir für euch mal exklusiv zusammengetragen.

Der Kokser: Jürgen Kohler. Herkunft leider unbekannt. Scheint aber etwas mit seinem ausschweifigem Privatleben zu tun zu haben…

Der Motzki: Matthias Sammer. Da wurde früher auch jeder noch so kleine Pfiff gegen ihn oder seine Mannschaft mit heftigen Protestaktionen gegenüber dem Schiedsrichter begleitet. Daher völlig zurecht dieser Spitzname.

Zecke: Andreas Neuendorf. Den Spitznamen Zecke bekam er von seinem damaligen Mannschaftskollegen Ulf Kirsten nach seinem Krankenhausaufenthalt wegen eines Zeckenstichs. Nach zwei selbst gefertigten Ölgemälden ist Zecke auch sein offizieller Künstlername.

Blondie: Gerald Asamoah – die schwarzeste Perle des deutschen Profifussballs. Einen passenderen Spitznamen kann man einen Menschen eigentlich nicht verpassen.

Der blonde Engel: Nicht nur auf und neben dem Platz eine Diva: Bernd Schuster. Heute gefeierter und zugleich kritisierter Coach vom größten Verein der Welt Real Madrid.

Die Ente: Willi Lippens. Seinen Spitznamen “Ente” verdankt er seinem Watschelgang. Hat übrigens auch einen holländischen Pass – bäh!

Der Entlauber: Adolfo Valencia. Nachdem er bei Trainingsspielen mehrfach weit über das Tor schoß, gab ihm Franz Beckenbauer diesen Namen.

Der Terrier: Berti Vogts. Damals ein Verteidiger wie aus dem Bilderbuch. Kaum Talent aber ungeheuer viel Fleiß.

Susi: Michael Zorc. Wegen seiner einst langen Haare erhielt er von Trainer Horst Köppel den Spitznamen “Susi”.

Die weiße Feder: Fabrizio Ravanelli. Der graueste aller grauen Fussballspieler. Schon in jungen Jahren wurde der gute Fabrizio auf Mitte 40 geschätzt.

Werner Lorant – ein Fussballgott packt die Koffer

Och ne, Werner! Nicht jetzt schon. Mit gerade einmal 58 Jahren und unzähligen Bundesligaspielen auf den Buckel packt der alte Trainerfuchs Werner Lorant nun endgültig seine Koffer in Unterhaching und verlässt das sinkende Schiff. Wie immer gehen Frauen, Kinder und Rentner zuerst von Bord. Interviews zum Wegschmeißen, kultige Trainingsmethoden und legendäre Diskussionen mit Schiedsrichtern und Spielern. Das war Werner Lorant. Nun verabschiedet er sich nach gerade einmal zehn Spieltagen in der Regionalliga Süd von der SpVgg Unterhaching.

SpVgg-Manager Norbert Hartmann sagte, dass nicht Lorant, sondern die Spieler die Schuld für den schlechten Tabellenplatz 11 trügen.

Kein Vorwurf an Werner Lorant, es lag nicht am Trainer

Mal ganz neue Töne aus dem Fussballgeschäft. Aber wahrscheinlich hatte Manager Hartmann nur Angst von Werner zusammengefaltet zu werden. In diesem Sinne: Komm bald wieder Werner – ich vermisse dich schon jetzt!

 

1. FC Kaiserslautern: Fehlstart nach Maß

Sieben Spieltage sind fast um im Unterhaus. Sieben Spiele – und ganze null Siege, drei Unentschieden und vier Niederlagen kann man in Kaiserslautern für sich verbuchen. Schlechter ist da nur Paderborn mit lediglich zwei Unentschieden und fünf Niederlagen. Aber die sind ja kein Maßstab. Alle anderen Mannschaften haben mindestens schon ein Mal gewonnen. Neben Paderborn, Jena und Augsburg steht man nun als Vorletzter auf einem Abstiegsplatz. Was für ein Debakel – kein Wunder, dass nur 17.000 Zuschauer sich das gestrige Spiel gegen Wehen Wiesbaden im Fritz-Walter-Stadion ansehen wollten.

Eigentlich wollte man ja aufsteigen, aber nach sieben Spieltagen sollte man wenigstens 10 Punkte haben, damit man den Anschluss nach oben nicht verliert. Stattdessen benötigt man schon fünf Punkte mehr für einen Nichtabstiegsplatz. Aber noch ist ja nichts gegessen, immerhin kann man noch 81 Punkte holen. Der Aufstieg ist also noch drin, liebe Lauterer. Der SC Freiburg stand vor etwa einem Jahr nach sieben Spieltagen auch nicht viel besser da, mit fünf Punkten. Und man wäre trotzdem fast aufgestiegen, hatte nur das schlechtere Torverhältnis.

Ich bin mir sicher, dass diese sehr junge – die jüngste der Liga – Mannschaft sich noch finden wird. Ich glaube zwar nicht, dass man den Aufstieg schafft, dafür ist die Konkurrenz einfach so groß, doch in der Zukunft sehe ich bessere Zeiten auf die roten Teufel zukommen.